Taiji-Qigong-Szene - Infos zur Abgrenzung "traditioneller, klassischer, originaler und authentischer Schulen"

Die Taijiquan-Qigong-Szene - ein Universum für sich ...

Ganzheitliche Anschauungen, wie sie sich in der chinesischen Kultur über Jahrtausende entwickelt haben, üben eine große Anziehungskraft auf Westler aus. Spitzenreiter sind vielerorts Tai Chi und Qigong. Doch wird das "Äußerste Prinzip Taiji", die "Yin-Yang-Dynamik" und die "Wei-Wuwei-Philosophie" oft falsch verstanden und opportunistisch gedeutet als eine "Lizenz für Beliebigkeit" und eine "eingebaute Deutungshoheit für gefühlte Fakten". Man schwärmt phantasievoll nicht nur von "Szene" sondern von "Chi-Welten" und "Universen". Diese Mystifizierung mag maßgeschneidert sein für viele - aber durchaus nicht für jeden.

Verläßliches Wissen zum Ausschöpfen tieferliegender Potenziale ist oft verborgen und wird erst durch umfängliche Recherche zugänglich. Wer seriöse, fachgerechte Informationen jenseits der Szene-Folklore benötigt, steht bei der Suche über das Internet einer Vielzahl unterschiedlichster Quellen gegenüber. Ein Dilemma, denn hier die passende Auswahl zu treffen ist besonders für Nicht-Fachleute schwierig und frustrierend. Häufig kann man falsch und richtig erst im Nachhinein bestimmen. Hier sind die Verbände gefragt - und vor allem diejenigen, die sich für Demystifizierung einsetzen und sich abgrenzen von Okkultismus-Tradition und Lobbyismus.

Das Fazit: Wer sich solcherart "in Szene setzt", erweist der Sache einen schlechten Dienst. Die Reputation der Übesysteme hat besonders in letzter Zeit sehr gelitten. Hinzu kommen zweifelhafte Aktionen von Lobbyisten und Heilslehren, die einseitige Weltanschauungen propagieren jenseits der Normen westlicher Gesundheitsbildung. Außer dem QDD-Verband und seiner Dach-Organisation DTB-Zentralverband hat auch der Krankenkassen-Spitzenverband Vdek "die Reißleine gezogen" und mit einem Bündel von Maßnahmen die Qualitätssicherung neu geregelt.

QDD ev und DTB ev grenzen sich ab

Der "Qigong-Dachverband Deutschland (QDD ev)" ist Mitglied im Taijiquan-Qigong-Dachverband DTB ev und garantiert dessen wissenschaftliche Arbeitsweise sowie die Einhaltung seiner bundesweiten Qualitätsstandards. Alle Kurs-Angebote tragen das Krankenkassen-Siegel "Deutscher Standard Prävention". Beide Verbände und ihre Partner-Institute distanzieren sich von der Taiji-Qigong-Szene und möchten mit ihr nicht verwechselt werden. Dazu zählen Foren, Fach-Journale, Netzwerke und ihre Social-Media. Siehe DDQT-Abgrenzung.

Video-Serie als Überblick

Beide Organisationen habein in enger Abstimmung mit Partner-Institutionen verläßliche Kriterien entwickelt, um die sogenannte "Taijiquan-Qigong-Szene" zu definieren und zu erkennen. Der Hintergrund: Die Uneinheitlichkeit bei Standards für Aus- und Fortbildung in Deutschland schafft allerorten Probleme und Mißverständnisse. Die Mängel und Defizite wurden kürzlich in einer Video-Serie erklärt und auf Youtube veröffentlicht. Überblick und Playlist hier Taiji-Qigong-Szene / DDQT: Video-Intro: https://youtu.be/X5Enp9wPsa0.

Was ist mit "Taiji-Qigong-Szene" gemeint?

Eine Gemeinsamkeit der vielen unterschiedlichen Qigong-Stilarten stammt aus der Vergangenheit. Gemeint ist damit das Erbe der taoistisch-buddhistischen Sehweise von "Yangsheng (Kultivierung der Qi-Lebenskraft)". Diese wiederum gehört zur "Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)". Diese chinesische energetische Weltanschauung liegt auch dem Tai Chi Chuan (Taijiquan) zugrunde. Ein gemeinsames Prinzip dieser beiden Künste ist "Yi (Vorstellungskraft)". Mit viel Achtsamkeit sollen Wege zum Inneren entwickelt werden, um damit der Außenwelt besser gerecht zu werden. Damit stehen beide Künste in engem Zusammenhang zu Heilslehren. Doch dies wird von Praktizierenden vielerorts nicht ausreichend beachtet. Diese durchweg esoterisch ausgerichteten Gruppierungen sollen hier aus "Taiji-Qigong-Szene" zusammengefaßt werden.

Ein Teil der Praktizierenden bezeichnet sich gern als "Taiji-Qigong-Szene" mit dem Wunsch, zu einer besonderen Gruppe zu gehören. Ihre Vereinigungen leben künstlerisch-kreativen "Qi-Erlebniswelten". Zwar bemühen sie sich um ein einheitliches Erscheinungsbild nach innen und nach außen - doch die Szene ist zersplittert und in ständigen Spaltungen begriffen. Neben modernen Entwicklungen, die die Übungen anpassen möchten an die westliche Kultur mit ihren heterogenen Addressaten findet sich auch das Gegenteil mit der Doktrin, man könne das östliche Übungsgut prinzipiell eins-zu-eins auf die westlichen Zielgruppen übertragen. In diesem Lager steht die "traditionelle Überlieferung" im Fokus und damit die Suche nach Echtheit.

Doch dies ist bei genauerer Betrachtung nicht mehr als eine Illusion. Man benutzt Leerformeln und damit Worthülsen einzig zu dem Zweck, "die Braut hübsch zu machen". Hoch im Kurs stehen hier Bezeichnungen wie "authentisch", "ursprünglich", "original", "klassisch". Man möchte damit "Geheim-Wissen" und "Echtheit" suggerieren. Dieses "Geschäftsmodell" wurde von den chinesischen Familien-Dynastien und ihren Groß-Meistern kopiert - ungeachtet, daß Qigong-Meister im Mutterland China heute oft alles andere als ein ehrenhafter Titel wäre. Ein Grund sind die Häufungen von Scharlatanerie und Sekten-Gurus. Quelle: Szene-Klassifizierungen in der Kritik: Traditionell, Authentisch, Original, Klassisch: Taiji-Qigong-Szene in China. Unsere These: Eng-gefaßte Szene-Vorstellungen mit ihrer Esoterik-Folklore behindern das Ausschöpfen der Potenziale der chinesischen Übe-Systeme.

Die "Szene" - ein kurzer Rückblick mit Updates

Durch die Verbreitung der Social Media haben sich die Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Praktizierenden des Qigong und des Taijiquan extrem ausgeweitet. Aber auch die Kehrseite war dabei schnell klar: Das Internet mit seiner "Copy-And-Paste-Mentalität" und Verzicht auf größere Zusammenhänge fördert "Mobrule-Spin", also die gezielte einseitige Darstellung. Dieser "Patchwork-Charakter" führt zu immer mehr Intransparenz und Oberflächlichkeit.

So gab es bald einen unübersehbaren Flickenteppich unterschiedlichster Auslegungen und Ansichten über die Künste selbst und die Art, sie zu betreiben. Diese Community bezeichnet sich selbst häufig als "Taijiquan-Qigong-Szene" oder kurz "Taiji-Qigong-Szene". Sie schuf sich ihr Zuhause in Netzwerken, Foren, Blogs etc. und betrieb Zusatz-Öffentlichkeitsarbeit in Printmedien wie Journalen und Zeitschriften.

Dabei zeigte sich eine große Bandbreite von Heilslehren und Lobby-Vereinigungen, die alles mögliche im Sinn hatten, aber nicht Standards und Verifizierung. Hinzu kamen Halbwissen und Abkehr von Argumentation - es zählten "gefühlte Fakten", als wäre man in einer nicht endenwollenden Film-Szene. Die einzige Gemeinsamkeit war künstlerisch-kreative Denkungsart und eine Unspezifiziertheit, die den Durchblick besonders für Laien erschwerte. Aufschlußreich war auch die Podiumsdiskussion im März 2013 und Abgrenzung des DTB-Dachverbandes (siehe Bericht und DVD des Taijiquan-Qigong-Journals). Es ging in der öffentlichen Podiumsdiskussion in Hamburg um Überprüfbarkeit von Qualität im Fachbereich Qigong.

Infos zu Dr. Bölts (Uni Oldenburg) und Dr. Langhoff (DTB-Vorstand)

Widerstand an dieser Negativ-Entwicklung kam zum einen von Dr. Stephan Langhoff, Tai Chi Zentrum Hamburg und zum anderen von Dr. Johann Bölts, Uni Oldenburg und DAK-Prüfkommission. Erster plädierte für ideologie-freien Faktencheck und begann bereits Ende 1980 mit der Zusammenarbeit mit Krankenkassen im Bereich Prävention. Dr. Bölts etablierte mit dem „Kontaktstudium Qigong“ eine bundesweit einzigartige universitäre Weiterbildung. Sein Fokus lag auf dem Qualitätsmanagement für die DAK-Krankenkasse.

Ihm wurde vorgehalten, Kriterien zu formulieren, die indirekt traditionelle Ausbildungswege als unzureichend diskreditieren. Dr. Bölts empfand dies, wie er es formulierte, als "Dilemma". Verständlich, da er selbst Qigong-Ausbildungen leitete. Er gilt vielen als Wegbereiter hin zur "Qigong-Akademisierung", einer geregelten Standardisierung, die alle Krankenkassen umfaßte und zugleich andere Übesysteme wie Tai Chi Chuan (Taijiquan) und Yoga. 2014 bildete sich im DTB der wissenschaftliche Beirat. Dieses Gremium war direkt dem Vorstand unterstellt und sorgte dafür, daß das DTB-Dozenten-Team von der DAK-Prüfkommission für alle Krankenkassen anerkannt wurde.

Zahlreiche Szene-Gruppierungen bezogen öffentlich Stellung gegen Langhoff, Bölts und wenige andere wissenschaftlich orientierte Protagonisten. Zwar hatten sie keine einheitlichen Vorstellungen aber diese illustren Kreise waren vereint in der Ablehnung der geplanten "ECTS-Konzeption", die mittels Creditpoints Kompetenzbereiche  bewertet. Ein solches "Scoring-Modell" ist beim Dt. Taichi-Bund - Dachverband für Taichi und Qigong ev (DTB) seit seiner Gründung 1996 in Gebrauch. Diese "Nutzwert-Analyse" bildet seither ein umfassendes Korrektiv gegen Esoterik, Qi-Welten und Heilslehren der Taiji-Qigong-Szene.

Als der Krankenkassen-Verband Vdek 2020 umstellte auf moderne Scoring-Standards, strich er alle Fach-Organisationen der Szene aus dem ZPP-Leitfaden. Dieser mutige, längst überfällige Schritt bedeutet zum einen eine wichtige Bestätigung des DTB-Ansatzes und zum anderen den absoluten Tiefpunkt in der Szene-Reputation - Glaubwürdigkeit und Seriosität unterliegen künftig einer scharfen Kontrolle. Die Kassen haben eigene Standards inclusive einer Abschlußprüfung geschaffen und erkennen Szene-Leitlinien nicht mehr an. Es bleibt das Geheimnis des Vdek, was diese "Notbremse" ausgelöst hat. Waren es die Szene-Kapriolen, ihr "Anbieter-Bashing", die Zersplitterung ihrer Vertretungen oder die Argumente von Wissenschaftlern wie Bölts und Langhoff?

Lesetipp: Tuishou / Pushhands und Innere Kampfkunst

Vgl. Partner-Übungen "Tuishou / Pushhands": Die DTB-AG organisiert Treffen, Kontakte, Austausch und Fach-Fortbildungen für Tuishou / Pushhands. Abgrenzung von Lehrern, Foren und Studios: Nils Klug, Hannover, Ex-Vorstand DDQT.

Weiterführende Artikel

  Taiji-Qigong-Szene: DDQT: Taijiquan-Qigong-Szene: Vereinigungen, Netzwerke, Medien, Öffentlichkeitsarbeit

 

  Taijiquan-Qigong-Szene: Welche Schule ist für mich geeignet?